Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach

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Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach

Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach (* 8. Januar 1793 in Leipzig; † 17. März 1879 in Dresden) war ein bedeutender sächsischer Naturwissenschaftler. Neben seinem Spezialgebiet, der Botanik, blieb er zeitlebens allen Gebieten der Naturkunde verbunden.

Nach dem Studium an der Universität Leipzig promovierte Reichenbach in Philosophie und 1817 in Medizin mit einer Arbeit zur Bedeutung der Flora für die Pharmazie. Als Dozent hielt er anschließend Vorlesungen über die Flora Sachsens. 1820 erhielt Reichenbach den Ruf als Ordinarius für Naturgeschichte an die Chirurgisch-medizinische Akademie in Dresden. Im selben Jahr gründete er mit der Unterstützung von Friedrich August dem Gerechten und des Gärtners Carl Adolf Terscheck den Botanischen Garten in den alten Wallanlagen zwischen Pirnaischem Platz und Brühlscher Terrasse, wo er vorwiegend systematische Studien durchführte.

Reichenbach gilt als bedeutender Systematiker; sein Credo zur naturwissenschaftlichen Systematik formulierte er selbst: "Meine Ueberzeugung, dass von dem Werthe, auch einer kleinen Gattung und von ihrer Stellung, wie von Systematik überhaupt, niemals die Rede sein kann, bevor man nicht alle zu ordnenden Glieder in klarbewusster Anschauung vor sich vereint sieht, entspricht meiner Ansicht von der hohen Bedeutung des Begriffs System der Natur, welches ich als den innigst durchgreifenden Zusammenhang des Einzelnen in seinen bestimmten und nothwendigen Beziehungen zu seinem Ganzen betrachte."[1]

Am 28. November 1820 nahm die Leopoldina Reichenbach als Mitglied auf. Er leitete von 1820 bis 1874 die Naturhistorischen Sammlungen am Zwinger [2] und den Botanischen Garten bis zu seinem Tode, war von 1826 bis 1843 Gründungsvorstand der FLORA - Sächsische Gesellschaft für Botanik und Gartenbau, Initiator des 1834 gegründeten Dresdner Tierschutzvereins, 1836 bis 1866 Vorsitzender der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS, um 1838 gehörte er dem Dante-Komitee des späteren König Johann an und von 1844 bis 1846 war Reichenbach Vorsitzender der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Außerdem gehörte er als Vorstand der Ökonomischen Gesellschaft im Königreiche Sachsen und der Dresdner Schillerstiftung sowie als Mitglied dem Literarischen Verein und der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft an.

Die revolutionären Ereignisse ab 1848 und der Tod von Friedrich August II. hinterließen tiefe Einschnitte in Reichenbachs Leben. Von 1848 bis 1850 übernahm er nach dem politisch motivierten Rücktritt von Emil Adolf Roßmäßler, zu dessen wichtigsten Förderern er zählte, vertretungsweise das Fach Zoologie an der Forstakademie Tharandt.[3] Die Zerstörung seiner Sammlungen im Zwinger während des Maiaufstandes 1849 und der Tod des Königs 1854 ließen ihn aber zunehmend verbittern. Aus vielen Vereinen schied er im Streit. Dies eskalierte, als er sich nach dem Tod von Carl Gustav Carus im Jahre 1869 quasi selbst als dessen Nachfolger in der Führung der Leopoldina ernannte. Zu Reichenbachs bleibenden Leistungen für die Stadt in dieser Zeit zählt die Gründung des Zoologischen Gartens, die er federführend bis 1861 für den Verein für Hühnerzucht betrieb.[4]

Den Lehrstuhl an der Chirurgisch-medizinischen Akademie behielt Reichenbach bis 1864. Von 1853 bis 1874 lehrte er Botanik an der königlichen Tierarzneischule. Als Lehrer war er seiner Zeit voraus, weil er sich speziell um die Förderung von Behinderten bemühte. Den Titel Hofrat hatte ihn König Friedrich August der Gerechte schon 1827 mit seinem letzten Dekret verliehen.

Reichenbach wohnte in Dresden zunächst Am Altmarkt, dann im Italienischen Dörfchen, Am Taschenberg 3 und später Kleine Schießgasse 4. Sein Sohn, Heinrich Gustav Reichenbach, übernahm 1863 die Leitung des Botanischen Gartens Hamburg. Reichenbach wurde nach seinem Tod auf dem Trinitatisfriedhof beigesetzt. Die Reichenbachstraße und die 117. Grundschule tragen seinen Namen.[5]

[Bearbeiten] Quellen

  1. Denkschriften der Naturwissenschaftliche Gesellschaft Isis, Dresden, Verlag R. Kuntze, 1860
  2. Carsten Kretschmann: Räume öffnen sich: naturhistorische Museen im Deutschland des 19. Jahrhunderts, Band 12 von Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel, Akademie Verlag, 2006
  3. Die Vorgänger der Forstzoologie in Tharandt seit der Gründung der Forstakademie zu Tharandt am 17.06.1816
  4. Annelore Rieke-Müller, Lothar Dittrich: Der Löwe brüllt nebenan: die Gründung zoologischer Gärten im deutschsprachigen Raum 1833-1869, Böhlau, 1998
  5. 117. Grundschule Ludwig Reichenbach

[Bearbeiten] Weblinks

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