Wilsdruff

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Wilsdruff, Markt und Nikolaikirche
Bahnhof Wilsdruff
Fahrkarte vom Eröffnungszug Potschappel-Wilsdruff am 30. September 1886
Autobahnraststätte Wilsdruff in den 1960er Jahren

Wilsdruff ist eine Stadt im östlichen Mulde-Lösshügelland, nördlich des Tharandter Waldes und liegt westlich von Dresden oberhalb des Elbtals. Die Kleinstadt hat etwa 13.800 Einwohner. [1].

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Im Mittelalter, etwa Ende des 12. Jahrhunderts, war die Stadt ein Bauerndorf und Herrensitz der Ritter von Wylandesdorf. Offensichtlich geht die Gründung der Ortschaft auf einen Ritter Wieland zurück. Folgende Schreibweisen sind überliefert:

Erst ab dem 15. Jahrhundert wird der Ortsname verkürzt angegeben:

Auf dem Herrensitz erbaute die Ritterfamilie später ein Schloß. Bereits um 1260 entstand eine kleine Stadtanlage mit einem Markt. 1281 wird die Stadt erstmals in einer Urkunde als oppidum (= lateinisch für „kleine befestigte Landstadt“) erwähnt. 1294 wird Wilsdruff auch als befestigte Burg erwähnt.

Im sächsischen Bruderkrieg wurde die Stadt 1447 und 1450 erheblich zerstört.

Am 8. Mai 1813 nahm der preußische Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher sein Hauptquartier in Wilsdruff, als Napoleon Bonaparte in Dresden Hauptquartier nahm. Die Allierten Rußland und Preußen hatten Dresden vom 22. März 1813 an besetzt, es aber beim Anrücken Napoleons wieder räumen müssen. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. nahm sein Hauptquartier in Königsbrück.

Am 9. Juli 1871 besuchte der sächsische König Johann die Stadt und traf sich mit dem damaligen Bürgermeister Kretzschmar.[2]

Mit dem Bau der Eisenbahn begann in Wilsdruff auch die Industrialisierung. In der Stadt siedelten sich eine Möbelfabrik, eine Holzbildhauerei, eine Holznadel-, Leim-, Konserven- und Käsefabrikation, ein Elektrizitätswerk sowie eine Ziegelbrennerei an. 1905 hatte Wilsdruff 3901 Einwohner, davon 149 Katholiken. [3]

1952/53 wurde westlich von Wilsdruff, in der Nähe der Autobahn ein Funkmast, im Volksmust der sogenannte „Bleistift“ errichtet. Der 153 Meter hohe Sender Wilsdruff diente 1954 bis 2013 dem Mittelwellen-Rundfunkbetrieb. Am 1. August 2021 wurde der Mast abgerissen.[4]

[Bearbeiten] Verkehr

Die erste Post nach Wilsdruff fuhr etwa 1810, 20 Jahre später gab es eine Eilpostverbindung. Der Bau der sogenannten Hochstraße zwischen Kesselsdorf und Wilsdruff im Jahr 1819 gab dieser Verbindung einen zusätzlichen Aufschwung.

Wilsdruff erhielt erst relativ spät einen Eisenbahnanschluss. Zwar konnte man bereits ab 1855 das Pfeifen einer Dampflok in Wilsdruff wahrnehmen, wenn der Wind günstig stand und es wurde auch bereits am 1. Juni 1863 im Rathaus das „Eisenbahn-Comitee zu Wilsdruff“ gegründet, jedoch sollte ein jahrelanger Kampf der Stadt um den Bau einer Eisenbahn damit beginnen.

Nachdem alle Anstrengungen zum Bau einer normalspurigen Eisenbahn in das mittelsächsische Bergland um Wilsdruff gescheitert waren, erhielt die Stadt 1886 mit der Schmalspurbahn aus Potschappel endlich den Anschluss an das sächsische Eisenbahnnetz. Der sächsische Landtag genehmigte am 4. Februar 1884 den Bau der Sekundärbahn und am 27. Juli 1885 wurde der Bau der Bahn begonnen. Die Eröffnungsfahrt war am 30. September. Einen Tag später begann der Liniendienst. [5]

Wilsdruff entwickelte sich im Laufe der Zeit zum Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Potschappel-Nossen und Wilsdruff-Döbeln. Als eine der letzten Zweigstrecken wurde am 1. Oktober 1909 die 17,55 Kilometer lange Bahnstrecke von Wilsdruff nach Meißen-Triebischtal in Betrieb genommen. Über 80 Jahre war Wilsdruff nun nach der Eröffnung der Schmalspurstrecken ein Dampflokdomizil für das auch so benannte „Wilsdruffer Schmalspurnetz“, bis die letzte Strecke am 27. Mai 1972 still gelegt wurde.

Auch nach Abbau der Gleise verblieben im ehemaligen Bahnhof Wilsdruff sowie im Lokschuppen die „Aufarbeitungswerkstatt Wisldruff“ der Deutschen Reichsbahn. In diesem Betriebsteil wurden Zylinderköpfe von Dieselmotoren wieder instand gesetzt.

Nach der politischen Wende siedelte sich auf dem Bahnhofsgelände ein Lebensmitteldiscounter an. Nach dem Umzug dieses Unternehmens auf ein anderes Gelände bestand die Möglichkeit, auf dem Bahnhofsgelände wieder ein Stück der alten Schmalspurbahn herzurichten. Zur 750-Jahr-Feier der Stadt 2009 konnte im ehemaligen Bahnhof ein Museum sowie ein Draisinenbetrieb als touristische Attraktion übergeben werden.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Ernst Eichler, Sachsen, Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber&Faber Verlag GmbH Leipzig, 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 128
  2. Peter Wunderwald: Das ehemalige Wilsdruffer Schmalspurnetz, aus der Heimatgeschichte der Stadt Wilsdruff. Herausgeber: Rat der Stadt Wilsdruff, Heft 1, 1986, S. 24
  3. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 656. auf www.zeno.org
  4. MDR Sachsen: Ende eines Wahrzeichens. Sprengung der Halteseile: Sendemast von Wilsdruff ist am Sonntag gefallen. mdr.de, 1. August 2021.
  5. Peter Wunderwald: Das ehemalige Wilsdruffer Schmalspurnetz, aus der Heimatgeschichte der Stadt Wilsdruff. Herausgeber: Rat der Stadt Wilsdruff, Heft 1, 1986, S. 27ff.

[Bearbeiten] Weblinks

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