Trutzsch

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Aussichtsplattform auf dem Trutzsch
Ausschnitt aus dem Stadtplan von Dresden 1899, am linken Bildrand der eingezeichnete "Trützsch"

Der Trutzsch, früher auch Trützsch ist ein knapp 200 Meter hoher Berg in der Gemarkung Nickern nordwestlich von Lockwitz, nahe der Wittgensdorfer und der Rudolf-Dittrich-Straße. Auf alten Karten ist er mit einer Höhenangabe von 196,7 Metern eingezeichnet. Der westliche Teil wird als Galgenberg, der östliche als Adamsberg (auch: Mäckensberg) bezeichnet.[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Beschreibung

Der Trutzsch liegt oberhalb der alten Soldatenkaserne zwischen Lockwitz und Nickern. An der Bergspitze ist ein kleiner Aussichtshügel, von dem man bei gutem Wetter eine hervorragende Rundumsicht über das Dresdner Elbtal hat.

Gegenüber des Trutzsch und der Talniederung des Lockwitzbaches erhebt sich in südöstlicher Richtung der Gückelsberg mit der Krähenhütte.

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Frühzeit

Wie Urnenfunde von 1939 aus der Zeit ab 1300 v Chr. belegen, war die Umgebung des Trutzsch bereits in der bronzezeitlichen protoslawischen Lausitzer Kultur besiedelt.

Am Trutzsch gab es im 6. Jahrhundert v. Chr. (und vielleicht bereits im 7. Jahrhundert v. Chr.) eine Siedlung der protoslawischen Billendorfer Kultur, auf die vermutlich der spätere slawische Burgwall zurückging. Im 5. Jahrhundert v. Chr. war der Trutzsch deswegen ausweislich einer Kontaktfundstelle ein Verschmelzungsort mit der aus dem nordsächsischen Elbegebiet einwandernden protogermanischen Jastorf-Kultur, welche die Billendorfer Kultur überprägte. Funde der Jastorf-Kultur reichen bis in die Zeit um 200 v. Chr. Zu diesem Zeitpunkt kam es zu einem Siedlungsschwund in der Region.[2]

[Bearbeiten] Sorbische Zeit

Auf dem Trutzsch soll es vor der Christianisierung der Sorben eine sorbische Wehrburg gegeben haben.[3] Hinter dem Berg verläuft ab Nickern der alte Postweg, von Dresden kommend über Sobrigau, Babisnau und weiter bis nach Böhmen. Der Slawische Burgwall war wahrscheinlich der Grund dafür, diesen wichtigen überregionalen Verbindungsweg Alter Postweg Dresden – Böhmen über den Hügel zu verlegen. In Prohlis (115 m ü. NN) wurde der Alte Postweg durch die Wasserburg Prohlis gesichert, in Nickern (150 m ü. NN) durch die Wasserburg Nickern.

[Bearbeiten] Neuzeit

Zum ehemaligen Dorf Lockwitz hin hieß der Teil des Trutzsch im Volksmund Galgenberg, da die Rittergutsbesitzer von Lockwitz nicht nur die niedere, sondern auch die höhere Gerichtsbarkeit besaßen und somit bei schweren Verbrechen sogar die Todesstrafe verhängen durften. Der dazugehörige Galgen stand am Galgenberg.

Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen im Jahr 1993 (bis dahin war der Trutzsch öffentlich nicht begehbar) gestaltete die Stesad im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde das Gelände um. Die Gebäude wurden abgerissen, Flächen entsiegelt, Hecken gepflanzt, Trockenmauern gezogen, eine Streuobstwiese angelegt und ein Aussichtspunkt errichtet.[4] Seit Mai 2018 weiden rund 70 Schafe auf dem Trutzsch und halten so den Wildwuchs im Zaum.[5]

Auf dem Trutzsch findet seit einigen Jahren – nach der Öffnung der Alten Kaserne zwischen Lockwitz und Nickern – ein Sommerfest des dortigen Gartenvereins statt.[6]

[Bearbeiten] Station des Archaeo-Pfads Dresden

Der Trutzsch ist eine Station (Stele 10: Vom Meeresgrund zum Aussichtspunkt) auf dem 2020 eröffneten Archaeo-Pfad Dresden:

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. "Die bedeutende westliche Höhe, der Trutzsch, heißt nach Westen hin Galgenberg, hier aber der Adams= oder Mäckensberg; in dieser Partie gleicht er auffallend der hohen Eifer bei Meissen, und soll eine serbische Burg getragen haben. Ihm gegenüber ragt der zum Theil terrassirte [176] Gückelsberg mit der Krähenhütte. Beide gewähren entzückende Übersichten des Elbthales, in welchem L.[ockwitz] eine Hauptzierde ist, ja fast einem Städtchen ähnelt ..."In: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen, Albert Schiffner, Leipzig 1840, Verlag Friedrich Fleischer, Online Ausgabe auf Google Books, S. 175f.
  2. Geschichte der Stadt Dresden. Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Hrsg. v. Karlheinz Blaschke. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1906-0, S. 44ff.
  3. Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen, Albert Schiffner, Leipzig 1840, Verlag Friedrich Fleischer, Online Ausgabe auf Google Books, S. 175
  4. SZ-Immo-Magazin Juli/August 2018, S. 47.
  5. Lisa-Marie Leuteritz: Schafe gegen Wildwuchs. In: DNN 21.6.2018
  6. Sommerfest des Gartenvereins auf www.lockwitz-intern.de
  7. In: "Archaeo-Pfad Dresden. Kulturhistorischer Rundwanderweg am Geberbach." auf der offiziellen Webseite der Stadt Dresden dresden.de. Mit einer Karte: "Mit Airborne-Laserscans gewonnenes 3D-Geländemodell der Region Nickern. Der Trutzsch zwischen Geber- und Lockwitzbach ist mit einem roten Pfeil markiert." (abgerufen am 2. Mai 2024).
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