Dürerbund
Der Dürerbund wurde am 1. Oktober 1902 in Dresden gegründet und war der führende Gebildetenreformverein im Deutschen Reich.
Der Literat Ferdinand Avenarius und der Kunsthistoriker Paul Schumann gründeten 1902 den Dürerbund, um Leser und Sympathisanten der Zeitschrift Der Kunstwart in einer Institution zu vereinen. Der Dürerbund zählte v. a. Lehrer, Geistliche und Angestellte, aber auch Vereine zu seinen Mitgliedern und hatte sich der ästhetischen Erziehung des Volkes verschrieben. 1904 bzw. 1912 erreichten Kunstwart und Dürerbund mit 22.000 Abonnenten bzw. 300.000 Mitgliedern einen Höhepunkt.
Um den gestiegenen Bedarf an Arbeits-, Archiv- und Lagerräumen zu befriedigen, wurde 1910/1911 in Blasewitz, Bahnhofstraße 24, das Dürerbundhaus errichtet.[1] Die Pläne dazu hatte Heinrich Tscharmann entworfen.
1912 gründete der Dürerbund in Hellerau die Gemeinnützige Vertriebsstelle deutscher Qualitätsarbeit, die von führenden Vertretern des Deutschen Werkbundes beraten wurde, sowie zwei Jahre später zusammen mit dem Werkbund die Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft. Sie unterstützten damit eine ästhetische Produktgestaltung, die sie als wesentlichen Qualitätsbestandteil verstanden. Mit der objektiven Bewertung und Ausweisung der Qualität von Produkten in den Warenkatalogen bzw. Warenbüchern (1912, 1915) sind sie als frühe Vorläufer der Stiftung Warentest anzusehen.[2]
Nach dem Tod von Avenarius 1923 übernahm Paul Schumann die Leitung des Dürerbundes. Sein Sohn Wolfgang Schumann, Avenarius' Stiefsohn, war offiziell 1. Schriftführer, hatte aber die intellektuelle Führung inne. Er versuchte, das ursprünglich lose Bündnis zu einem Lesering zu formen, d. h., den Dürerbund als Vertriebsorgan verschiedener Schriftenreihen zu etablieren. Sein hoch literarischer Anspruch, unüberlegte Kritiken an Heimatschützern, die zur traditionellen Klientel gehörten, und später zunehmende Linkslastigkeit beförderten einen schrittweisen Niedergang von Kunstwart und Dürerbund, beschleunigt durch wirtschaftliche Krisen und den Machtantritt der Nazis 1933.
Nach dem Tod von Paul Schumann 1927 übernahm Karl Hanusch die Leitung des Dürerbundes, den er am 21. Dezember 1935 auflöste. Das Dürerbundhaus ist während der Luftangriffe am 13. Februar 1945 zerstört worden.
[Bearbeiten] Schriften (Auswahl)
- ab 1905 Flugschriften des Dürerbundes, Auflage mit 250 Titeln ca. 2,8 Mio Exemplare
- Jahrbuch Gesundbrunnen, ehemals der beste deutsche Kunstkalender (jährliche Auflage 50.000 Stück)
- eine Vielzahl populärwissenschaftlicher Bücher, zumeist gedruckt im Callwey Verlag München
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Dürerblatt, hrsg. vom Dürerbunde, November 1910
- ↑ Heide Rezepa-Zabel: Deutsches Warenbuch. Reprint und Dokumentation. Gediegenes Gerät fürs Haus. Reimer, Berlin 2005. ISBN 3-496-01330-3.
- Gerhard Kratzsch. Kunstwart und Dürerbund. Ein Beitrag zur Geschichte der Gebildeten im Zeitalter des Imperialismus. Vandenhoeck u. Ruprecht, Göttingen 1969. ISBN 3-525-36125-4.
- Kindheitserinnerungen von Frank Fiedler an seinen Vater und das „Dürerbundhaus“ Dresden